Der Forschungsverbund SED-Staat

Archiv der unveröffentlichten Texte
28.8.2026 Groß Heide, 19 h.

Der Forschungsverbund SED-Staat ist bekannt geworden durch die
Forschungsprojekte über den Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR auf den Rundfunk in der DDR und seine Angriffe auf die ARD und ihre DDR-Korrespondenten seit Lothar Loewe (Operation Fernsehen).

Seine Dokumentationen über die Infiltration der Stasi in das ost- und
westdeutsche Rundfunksystem wurden in einer dreiteilige ARD-Dokumentation ausgestrahlt. Der Soziologe Manfred Wilke, der den Forschungsverbund mitbegründet hatte, war zudem als Fachberater an der Produktion des oscarprämierten Kinofilms „Das Leben der Anderen“ unter der Regie Florian Henckel von Donnersmarcks beteiligt.

Durch langjährige Arbeit konnte der Forschungsverbund zudem die Biografien von allen an der innerdeutschen Grenze und am Eisernen Vorhang ums Leben gekommenen Kinder, Frauen und Männer rekonstruieren. Insgesamt wurden 915 Todesfälle aufgeklärt. Weiter gab es 121 ungeklärte Verdachtsfälle von DDR- und Bundesbürgern an der DDR-Grenze, auch zu der nach Polen oder der Tschechoslowakei. Sie wurden im Rahmen einer internationalen Forschungskooperation mit Forschungskooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Österreich durch den Forschungsverbund SED-Staat erfasst.

Über die Arbeit dieser Einrichtung spricht Dr. Jochen Staadt, der von 1992 bis 2025 Projektleiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin war, im

Archiv der unveröffentlichten Texte am

28.8. um 19 h in Groß Heide
Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12, 29451 Dannenberg

Staadt studierte an der FU Berlin Literaturwissenschaft und publizierte u. a. auch Beiträge über die Verbindung der DDR-Staatssicherheit zur RAF sowie über die Hintergründe der Antispringerkampagne der Linken.

Gegründet wurde der Forschungsverbund – nach der Einheit – im Jahr 1992: Es hatte sich gezeigt, dass man am Institut für sozial- wissenschaftliche Forschung jahrelang an der DDR-Realität vorbei geforscht hatte. So wurde der SED-Staat auf der Grundlage von offiziellen DDR-Statistiken an 7. Stelle der europäischen
Industriestaaten noch vor Großbritannien eingruppiert. Das führte zu politischen und wirtschaftlichen Fehleinschätzungen der Politik im Rahmen der Einheit führte („blühende Landschaften“).

Im Gegensatz zu den mit der SED sympathisierenden Forschern hatte z.B. Rudi Dutschke bereits prognostizert, dass die DDR das Jahr 2000 nicht erleben würde. Die einstigen DDR-Experten taten solche Einschätzungen als Spinnerei ab.

Nach der Einheit wurde die DDR-Forschung neu aufgestellt und im Jahr 1992 als Forschungsverbund SED-Staat gegründet. Bis 2025 arbeitete der Verbund als eigenständige Einrichtung an der Freien Universität Berlin und untersuchte die Geschichte der DDR sowie das Wechselverhältnis beider deutscher Staaten bis zur Wiedervereinigung. Der Forschungsverbund bestand aus ost- und westdeutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und veröffentlichte
mehr als dreißig Bücher über die DDR-Geschichte, außerdem 52 Ausgaben seiner Zeitschrift (ZdF) sowie zwei Handbücher, samt einem Online-Handbuch über die Todesopfer an den Grenzen der DDR https://todesopfer.eiserner-vorhang.de/

Es laden ein die Archivfrauen

Antje Busse, Monika Eckoldt, Nina El Karsheh und Dr. Sibylle Plogstedt
mit Unterstützung von Dr. Cora Titz und Regine Smith Thyme

Kontakt: Archiv der unveröffentlichten Texte
Dr. Sibylle Plogstedt, Heider Chausse 7, 29451 Dannenberg, T: 05861-9867575, M: splogstedt@t-online.de
www.archiv-der-unveroeffentlichten-texte.de

Wann?

28.August 2026 | 19:00 Uhr

Wo?

Groß Heide, Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12