Der Radikalenerlass von 1972 „Als ‚Berufsverbotsopfer‘ würde ich mich nie bezeichnen.“

Archiv der unveröffentlichten Texte
Groß Heide, 12. Juni 26, 19 h.

28. Januar 1972: Die Ministerpräsidenten der Länder fassten gemeinsam mit Bundeskanzler Willy Brandt einen Beschluss, der die Bundesrepublik gut ein Jahrzehnt lang beschäftigen sollte: Die Grundsätze zur Frage der verfassungsfeindlichen Kräfte im öffentlichen Dienst. Danach sollten Mitglieder von Parteien, die zwar nicht verboten, wohl aber als „verfassungsfeindlich“ angesehen wurden, vom öffentlichen Dienst ferngehalten werden. Betroffen waren vor allem Angehörige der 1968 gegründeten Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und anderer marxistisch-leninistischer Parteien und Gruppierungen, der sogenannten K-Gruppen. Der „Radikalenerlass“ stellte eine Reaktion dar auf den von Rudi Dutschke propagierten „Langen Marsch durch die Institutionen“ und die hohen Zahlen linker Lehramtsanwärter*innen zu Beginn der 1970er Jahre.

Im Gegensatz zum Mythos „1968“ ist der Radikalenerlass heute eher eine Randnotiz der deutschen Zeitgeschichte. Dabei hatten sich die unerwartet heftigen und langanhaltenden Proteste gegen „Berufsverbote“ bis 1978 laut Die Zeit „zur größten nationalen Streitfrage“ der Bundesrepublik entwickelt. Alle Parteien seien „von der Wucht dieser Auseinandersetzung überrascht worden, und ganz glücklich“ sei niemand „über diese Mobilisierung der Emotionen“ gewesen.

Emotionen spielen heute noch in den Erinnerungen der damaligen Betroffenen eine wichtige Rolle. Im Rahmen eines Forschungsprojektes von Humboldt- und Freier Universität in Berlin sowie des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam zur Umsetzung und den Folgen des Radikalenerlasses in West-Berlin wurden zahlreiche Zeitzeug:innen interviewt.

Der Historiker Dr. Jan-Henrik Friedrichs, der an dieser Studie beteiligt war, wird in die Geschichte des Radikalenerlasses einführen. Anhand seiner biografischen Interviews fragt er, welche Folgen der Erlass im Einzelfall haben konnte und wie die Geschichte der Berufsverbote und ihrer Folgen heute erzählt werden kann. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei den Aspekten zu, die einer vermeintlich klaren Gegenüberstellung – der Staat gegen die Linke – zuwiderlaufen und damit ein komplexeres Bild der historischen Situation erlauben.

Über all das wird berichtet im „Archiv der unveröffentlichten Texte“ in
Groß Heide am 12. Juni 26 um 19 h Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12, 29451 Dannenberg

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Antje Busse, Monika Eckoldt, Nina El Karsheh, Dr. Sibylle Plogstedt
mit Unterstützung von Regine Smith Thyme und Dr. Cora Titz

Kontakt:
Verein Frauenpolitik in Niedersachsen e.V. (gem.)
Dr. Sibylle Plogstedt, Heider Chaussee 7, 29451 Dannenberg, Tel. 05861-9867575, Mail: splogstedt@t-online.de

Wann?

12.Juni 2026 | 19:00 Uhr

Wo?

Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12, 29451 Dannenberg