Femizide: Wir erkennen nur, was wir für möglich halten.

Im Mai überfuhr ein Mann in Varel seine getrennt lebende Ehefrau. Er tat es absichtlich. Als der 38-Jährige mit hoher Geschwindigkeit auf sie zufuhr, war sie zu Fuß unterwegs. Sie verstarb noch am Tatort. Gegen den Mann lag bereits ein gerichtlich angeordnetes Annäherungsverbot vor. Geschützt hat es die Frau nicht. Eine Woche zuvor hat in Goslar ein Mann seine schlafende Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Schwer verletzt wurde sie auf der Straße gefunden. An den Brandwunden starb sie.

Im November 2025 veröffentlichte das Institut für Kriminologie der Universität Tübingen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen eine Studie zum Femizid. Alle zehn Minuten wird weltweit eine Frau ermordet. Sexismus, psychische Erkrankungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie eine angespannte sozio-ökonomische Lage sind Einflussfaktoren für die Tötung von Frauen und Mädchen.  Dabei spielt die strukturelle Benachteiligung von Frauen der toxischen Männlichkeit in die Hände. Die Tat wird häufig als ein Kurzschluss nach einer Trennung dargestellt. Vor Gericht fordern die Täter dafür sogar noch Mitleid ein.

Das Archiv der unveröffentlichten Texte macht öffentlich, wie nahe auch bei uns Femizide vorkommen. Ortrud Glowacki, 1987/88 Mitgründerin des Lüchower Frauenhauses, berichtet, wie oft den Frauenhausfrauen Femizide begegnet sind. Die Initiative zum Frauenhaus entstand anlässlich einer Veranstaltung des Frauenforums. Schon während ihrer Anfangszeit im Frauenhaus wurden vier Frauen ermordet. Über ihre Lebenssituation und die der insgesamt 15 Frauen, die Opfer versuchter Femizide wurden, berichtet Glowacki unter dem Blickwinkel, wie wenig ihr Umfeld, Recht oder Gesetz sie schützen konnten.

Sabine Patricia Maier hat an der aktuellen Studie des Kriminologischen Instituts der Universität Tübingen über Femizide mitgearbeitet. Sie wird online aus Tübingen zugeschaltet sein.

Kathrin Richter ist bei der Polizei Lüneburg zuständig für die Prävention von Gewalt. Sie wird aufzeigen, wie eine Gewalttat beginnt. Dabei geht es um unsere Einstellung. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass wir eine Gewalttat schon deshalb nicht mitbekommen, weil wir sie nicht für möglich halten. So kommt dann jede Hilfe zu spät.

Die Veranstaltung findet statt am 13.3.2026 um 19 Uhr in der Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12, 29451 Dannenberg/Groß Heide

Es freuen sich auf Euch / auf Sie
Die Archivfrauen
Antje Busse, Monika Eckoldt, Nina El Karsheh, Dr. Sibylle Plogstedt, unter Mitarbeit von Regine Smith Thyme und Dr. Cora Titz.

Kontakt: Archiv der unveröffentlichten Texte, Dr. Sibylle Plogstedt, Heider Chaussee 7, 29451 Dannenberg, Tel: 05861-9867575, splogstedt@t-online.de, www.archiv-der-unveroeffentlichten-texte.de

Wann?

13.März 2026 | 19:00 Uhr

Wo?

Groß Heide, Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12