Plötzlich war ich ein Wurm“ – Gespräche über das Überleben der Shoah – Spektakulär: Das Zeugnis eines Pfarrers der Bekennenden Kirche

Magdalena Kemper

 

„Eben noch war ich aller Leute Liebling und plötzlich war ich ein Wurm. Ich habe in all den Jahren niemanden getroffen, der sich zu uns mitleidig geäußert hätte. Niemanden!" Susanne von Paczensky, lange Lektorin des Rowohlt-Verlags, hat als sog. „Mischling" in Berlin überlebt. Inge Deutschkron erfuhr überhaupt erst 1933 von ihrer Mutter, dass sie Jüdin war. Die deutsch-israelische Journalistin: „Die wirklich antijüdische Politik wurde krass mit Beginn des Krieges: Da bekamen wir die Lebensmittelkarten mit dem J, durften nicht zum Friseur, keine Seife, kein Wäschewaschen, es war unsäglich."

Magdalena Kemper hat Juden und Jüdinnen befragt, wie sie die Shoah im Lager, im Versteck, im Untergrund oder im Exil überlebt haben. Die ZeitzeugInnen berichten von ihrer Angst, von dem Verlust so vieler geliebter Menschen, aber auch von unverhofftem Glück und ihren Neuanfängen. Entstanden sind Tondokumente, aus denen Magdalena Kemper uns Auszüge vorführt. Kemper war eine der Gründerinnen des Frauenprogramms „Zeitpunkte“ des SFB, später des RBB. Sie ist Autorin des Hörbuchs „Als Kind wünschte ich mir goldene Locken – Gespräche mit Überlebenden der Shoah.“

Damals hatten alle das sehen können. Wieviel, das zeigt ein geradezu sensationeller Tagebuchfund von Johannes Hamel, einem Pfarrer der Bekennenden Kirche. Während der gesamten NS-Zeit hat er alle seine Begegnungen mit Juden aufgezeichnet, schrieb auf, wie sie behandelt wurden und wie sie abgeholt wurden. Ein Dokument von unglaublichem Mut.

Hamels Engagement hatte Folgen. Als Angehöriger der Bekennenden Kirche war er auch Gegner der Deutschen Evangelischen Kirche und bekam so keine Anstellung als Pfarrer.  Und weil er Verfolgten half, wurde er 1941 zur Arbeit in den Leuna-Werken zwangsverpflichtet, wurde in die Reichswehr eingezogen und kam in Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg wurde er Pfarrer in der DDR, kam dort aber schon 1953 in Haft.

Aus Johannes Hamels Aufzeichnungen über Juden wird seine Tochter Dorothea Henschel-Hamel lesen. Auch sie war Pfarrerin in Thüringen.

 

Das Archiv der unveröffentlichten Texte lädt ein.

Termin: 22. August 2025 um 19 h

Ort: Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12, 29451 Groß Heide/Dannenberg

Es freuen sich auf Euch,
die Archivfrauen  Antje Busse, Monika Eckoldt, Nina El Kasheh, Dr. Sibylle Plogstedt, in Kooperation mit Dr. Cora Titz und Regine Smith Thyme. Alle aus Groß Heide.

Kontakt:

Dr. Sibylle Plogstedt, Heider Chaussee 7, 29451 Dannenberg, Tel: 05861-9867575 Mail: splogstedt@t-online.de

 

Wann?

22.August 2025 | 19:00 Uhr

Wo?

Groß Heide, Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12