Fischer, Bauer und Hökerladen – Erinnerungen in Bildern – Gerd Basedow über sein Dorf Damnatz an der Elbe – verschoben wegen Corona

Fischer, Bauer und Hökerladen - Erinnerungen in Bildern

Gerd Basedow über sein Dorf Damnatz an der Elbe

Ein Film mit Hildegard Knef, einer ihrer ersten nach dem Krieg in Deutschland. Gedreht wird 1947 in Damnatz und Gerd Basedow darf als Kind mitspielen. Später wird dieser "Film ohne Titel" wiederentdeckt und Basedow wird bekannt. Seither gehört er zu den wichtigen Erzählern im Wendland.

1938 in Damnatz geboren, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerungen an sein Dorf zu sichern. Fotos, die seine Onkel gemacht haben, zeigt er, ermutigt durch den Architekten Rolf Werner, in Ausstellungen. Und er schreibt ein Buch, das er selbst verlegt. Das soll für unsere Archiv-Veranstaltung extra nachgedruckt werden.

Gerd Basedow wird von den alten Berufen erzählen, mit Hilfe derer seine Familie über die Runden kam. Zum Überleben brauchten sie drei Standbeine. Eines war die Landwirtschaft. 50 Morgen zählten zu ihrem Besitz. Ein weiteres Standbein war der Hökerladen, dort gab es, was im Dorf benötigt wurde. Und das dritte schließlich war die Fischerei. Damals arbeiteten in Damnatz noch Fischer.

Handwerk und Handel gab es genug. In seinem Dorf gab es allein zwei Schmieden, die Stellmacherei, die Mühle, die Molkerei, ferner Schumacher, Tischler, Hausschlachter, und einige Jahre auch einen Bäcker, einen Schneider, zwei Bauunternehmen, bis zu vier Gastwirtschaften (!), zwei Hökerläden. zwei Fischereibetriebe, einen Schiffseigner. Außerdem gab es dort das Wasser- und Schifffahrtsamt und die Deichvogtei.

Dörfliche Arbeit zuhauf. Manche Bildunterschriften geraten Basedow zu kleinen Versen:

"Wir sehen Deichvogt Sperling hier

grad schließt er hinter sich die Tür

des Amtsgebäudes leise -

geht pflichtgetreu gleich auf die Reise.

'Fifi' scheint das nicht zu passen,

denn den muss er zu Hause lassen.

Zum Trost nennt ihm sein Herr den Grund:

"Dienst ist Dienst - und Hund ist Hund."

 

Bis Ende der 1950er Jahre zogen auf der Elbe noch Dampfschlepper vorbei mit ihrer Ware.  Sommergäste kamen und blieben und liehen kleine Boote oder Fahrräder.

Zur Geschichte des Dorfes gehören für Basedow auch die Erinnerungen seiner Vorfahren. So erzählt er auch über die Befreiungskriege des Jahres 1813, als es rund um die Kirche ein kleines Gefecht gab. Oder über den I. Weltkrieg und die ihm folgende Inflation im Jahre 1923. Sein Großvater hat in seinem Hökerladen alles so schnell wie möglich verkauft. Am Schluss blieb nur noch eine Karte mit Hosenknöpfen. Er spricht über seine eigene Kinderzeit im Krieg.  Und natürlich über die vielen Hochwasser. Als 1888 der Deich brach, wurde es das größte Erlebnis seines Großvaters. Auch 1947 kam Wasser über den Deich. An 2013 werden sich noch viele erinnern.

Auch von Liepehöfen ist die Rede. Seit 1968 lebt Gerd Basedow in der kleinsten Gemeinde Deutschlands. Von dem traurigen Schicksal der Kinder von Zwangsarbeiter*innen auf dem Hof während der NS-Zeit, hat er spät erfahren und  versucht, einen der Bewohner von damals zu befragen.

 

All das gibt es am 3. Dezember in Groß Heide um 19 h in der Gastwirtschaft Schulz im Archiv der unveröffentlichten Texte zu sehen und zu hören. 

Kommt und hört. Diskutiert mit uns die Geschichten aus den eigenen Familien. Es freuen sich auf Sie/Euch die Mitglieder des „Archivs der unveröffentlichten Texte“: Antje Busse, Monika Eckoldt, Nina El Karsheh, Dr. Sibylle Plogstedt, alle aus Groß Heide. Mit Unterstützung von Dr. Cora Titz.

Das Archiv bekommt keine Förderung. Wir nehmen keinen Eintritt, hoffen deshalb aber auf großzügige Spender*innenherzen.

Aktuell suchen wir nach Poesiealben aus der DDR.

Wer dem „Archiv der unveröffentlichten Texte“ Arbeiten überlassen oder uns an den geschriebenen, aber nicht gehobenen Schätzen aus dem Familienbesitz, verfasst von früheren Generationen, teilhaben lassen will, wende sich an:

Dr. Sibylle Plogstedt, Heider Chaussee 7, 29451 Dannenberg. Tel: 05861- 9867575, Mail: info@archiv-der-unveroeffentlichten-texte.de

Wir bitten um das Mitbringen von Masken, Impfpässen und Testbescheinigungen. Es gilt die 3 G Regel.

Wann?

04.Februar 2022 | 19:00 Uhr

Wo?

Groß Heide, Gastwirtschaft Schulz, Heider Chaussee 12 - verschoben wegen Corona -